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Ruairí Ó Brádaigh: „Einer unter seinesgleichen.“
Am 9. März starb der langjährige irische Republikaner, Journalist und Autor Seán Cronin nach langer und schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren in seiner Wahlheimat Washington DC. Cronin diente als Offizier des Southern Commando während des zweiten Weltkriegs. Ebenso war er Mitglied der IRA und diente in dieser als Direktor mehrerer militärischer Operationen, Herausgeber der republikanischen Zeitung United Irishmen und war für zwei Perioden in den 1950er Jahren Oberbefehlshaber der IRA.
Ebenso verfasster er dutzende Bücher und Pamphlete, wie die Biographie des republikanischen Sozialisten Frank Ryan; Washington’s Irish Policy 1916-1986: Independence, Partition, Neutrality, an authorative account of Irish-US-relations; Our Own Red Blood über den Osteraufstand von 1916; sowie mehrere Schriften über Guerilla-Strategie.
Die Schriften Notes on Guerilla Warfare; Resistance (The stoy oft he struggle in British occupied Ireland); Ireland since the Treaty und An appeal to Unionists mussten unter einem Decknamen veröffentlicht werden.
Cronin wurde 1920 in Dublin geboren, wuchs aber im Gaeltacht Ballinskelligs in Süd-Kerry auf. Nachdem er aus der irischen Armee entlassen wurde, ging er in die USA, wo er in Kontakt mit der irisch-republikanischen Gruppe Clan na Gael kam. Er arbeitete zu dieser Zeit als Journalist in New York. Nach seiner Rückkehr nach Dublin arbeitete er als Mitherausgeber der Evening Press.
Aufgrund seiner militärischen Erfahrung stieg er in den Reihen der IRA schnell auf. Er verließ die Zeitung unter dem Vorwand, einen Job für eine US-amerikanische Nachrichtenagentur erhalten zu haben. Tatsächlich wurde er als Berufsrevolutionär aktiv, bevor er im Rahmen einer militärischen Operation nahe der inner-irischen Grenze verhaftet wurde.
Cronin war einer der zentralen Strategen in der Planung der Operation Harvest, der sog. Grenzkampagne 1956-1962. Zwei Mal wurde er im Zuge seiner militärischen Aktivitäten verhaftet. Nachdem er freigelassen wurde und die Kampagne für beendet erklärt wurde, befand er sich im Zentrum eines inner-republikanischen Fraktionskampfes, der 1969/70 schließlich zur Spaltung der Republikanischen Bewegung in Officials und Provisionals führen sollte.
Er verließ die IRA und wurde wieder Journalist. Zunächst in Irland, später in den USA. In den späten 1960er Jahren schrieb er regelmäßig als freier Mitarbeiter für mehrere irische Zeitungen und Magazine. Sein enzyklopädisches Wissen über US-Politik und das irische Amerika waren bei seinen Kollegen und Lesern gleichermaßen beliebt. In einem Nachruf schrieb der Washington-Korrespondent der Irish Times, sein „Washington Letter war eine Pflichtlektüre“.
Über 20 Jahre arbeitete er als US-Korrespondent für die Irish Times und lehrte nebenbei Politik in Washington.
Der Ehrenpräsident von Sinn Féin Poblachtach, Ruairí Ó Brádaigh, schrieb in einem Nachruf an seinen Weggefährten und Genossen: „Seán war irischer Patriot. Er diente der nationalen Unabhängigkeit Irlands wie kaum ein anderer.“
„Er war in vielen Bereichen talentiert, was seinen Beitrag unschätzbar machte. Er war Schreiber, Redner, Lehrer, politischer Analyst und eine militärische Person. Er konnte in vielen Bereich hilfreich sein, doch über allem stand, dass er eine Person war, die von der ersten Reihe führte.“
„All jene, die wie ich, mit ihm in der Republikanischen Bewegung zwischen 1955 und 1965 dienten, erinnern sich gerne an seine Überzeugung und seinen Sinn für Gerechtigkeit. Er war ein Gentleman, der es vermied, jene, die ihn unterstützten unter Druck oder in Gefahr zu versetzen. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass Seán ein überzeugter Sozialist war, der sich vor allem für die Befreiung der Frauen einsetzte“, so Ruarí Ó Brádaigh.
Irish Republican Correspondent, 13. März 2011 |