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Britischer Besatzungssoldat hatte Afghanistan-Einsatz verweigert. Internationaler Aufruf zur Solidarität
Joe Glenton muß ins Gefängnis. Wegen »unerlaubter Abwesenheit von der Truppe« wurde der britische Soldat am vergangenen Freitag zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt. Er hatte sich geweigert, zu seiner Einheit nach Afghanistan zurückzukehren. Außerdem degradierte das Militärgericht in Colchester Glenton zum Gefreiten. Im Vorverfahren hatte sich der 27jährige im Januar schuldig bekannt, sich »unerlaubt entfernt« zu haben von seiner Einheit. Kurz vor der Gerichtsverhandlung dann wurde die Anklage wegen Desertion fallengelassen. Diese kann mit Haftstrafen von bis zu zehn Jahren geahndet werden. Offensichtlich, so Glentons Verteidigung, wollte die Militärführung vermeiden, daß der Prozeß größere Aufmerksamkeit erregt und damit der Afghanistan- Krieg noch stärker in Frage gestellt wird. Die Antikriegsorganisationen Connection e.V., Iraq Veterans Against the War Europe und die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Hessen verurteilten – gemeinsam mit anderen – das Urteil. Zum Prozeß hatten nach einem Aufruf des internationalen Netzwerks Payday Gruppen und Organisationen in Rußland, den USA , Deutschland, der Türkei, Großbritannien, Italien, Irland, Griechenland und Polen mit Mahnwachen und Kundgebungen die Einstellung des Verfahrens gegen Glenton gefordert. Mehrere tausend Unterschriften wurden in den vergangenen Wochen an die britische Regierung übergeben.
Joe Glenton verließ 2007, traumatisiert durch einen siebenmonatigen Einsatz in Afghanistan, seine Einheit und entzog sich damit einem erneuten Kriegseinsatz. Bevor er sich im August 2009 freiwillig stellte, machte er seine Verweigerung bei einer Demonstration in London öffentlich. In einem Brief an den britischen Premierminister Gordon Brown erklärte er: »Weit entfernt davon, das Leben der Afghanen zu verbessern, bringt der Krieg Tod und Verwüstung in ihr Land. Großbritannien hat dort nichts zu suchen. Unsere Sache in Afghanistan ist weder gerechtfertigt noch richtig. Ich bitte Sie inständig, Sir, holen Sie unsere Soldaten nach Hause!« Der Angeklagte wurde nun verurteilt, obwohl der Gutachter Lars Davidsson bei ihm posttraumatische Störungen festgestellt hatte. Mutter Sue hatte Ende Februar auf einer Kundgebung im italienischen Vicenza erklärt: »71 Prozent der Briten wollen laut der letzten Umfrage, daß die Truppen nach Hause geholt werden und der Krieg sofort beendet wird. Joe und ich haben im Londoner Flüchtlingsrat gearbeitet, und wir haben Freunde in Afghanistan.« In diesem auf Völkerverständigung ausgerichteten Geist und in Solidarität mit Joe Glenton ruft ein breites Bündnis unter dem Titel »Mother’s March« für den 13. März in London aus Anlaß des Internationalen Frauentages zu einer Demonstration auf. Connection e.V., Iraq Veterans Against the War Europe und die DFG-VK Hessen bitten um Solidaritätsschreiben für Joe Glenton. Seine Adresse und ein vorbereitetes Schreiben sind unter http:// www.connection-ev.de/aktion-gb.php abrufbar. (Jürgen Heiser, Junge Welt, 08.03.2010 / Ausland / Seite 6)
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