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| Der Weg in die Hungerstreiks |
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| Geschrieben von: IRC |
| Donnerstag, den 04. März 2010 um 11:31 Uhr |
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Proteste der irischen politischen Gefangenen in den 1970er und 1980er Jahren
Politische Gefangene wurden von nun als Kriegsgefangenen nach der Genfer Konvention behandelt. Konkret bedeutete das, Gefangene mussten keine Gefängniskleidung tragen oder Gefangenenarbeit verrichten. Sie durften mit anderen politischen Gefangenen im selben Trakt leben und hat Recht auf mehr Besuche.
Im Jänner 1975 empfahl die Gardiner Kommission, den Sonderstatus zu beenden, da die Gefängniswärter nicht genügend Möglichkeiten hätten, die Gefangenen zu disziplinieren. Am 1. Jänner 1976 wurde der Sonderstatus aufgehoben. Jeder, der nach dem 1. März 1976 verhaftet werden würde, würde nicht mehr diesen politischen Status besitzen.
Im Laufe des Jahres 1976 kamen die ersten Gefangenen in das neu gebaute Maze-Gefängnis, das aufgrund seiner Form unter dem Namen H-Block bekannt wurde. Der erste Gefangene war Kieran Nugent. Er verweigerte die Gefangenenuniform, denn er ist kein krimineller, sondern ein politischer Gefangener. Er wurde nackt in seiner Zelle eingesperrt, in der er sich in nichts als seine Bettlacken hüllte. Der Blanket-Protest hatte begonnen. Es war derselbe Protest, den in den 1940er Jahren republikanische Gefangene im Süden durchführten. Bis 1978 waren 300 Gefangene „on the blanket“, wie man es nannte.
Die Gefangenen formulierten folgende 5 Forderungen, die sie erfüllt haben wünschten:
Das Recht keine Gefangenenuniform tragen zu müssen. Das Recht keine Gefangenenarbeit verrichten zu müssen. Das Recht auf freien Umgang mit anderen Gefangenen. Das Recht Bildung und Erholung selbst zu organisieren. Das Recht auf einen Besuch, einen Brief und ein Paket pro Woche.
Die Proteste für den Sonderstatus der Gefangenen dürfen nicht als isolierte Proteste für Rechte von Gefangenen gesehen werden. Die Gefangenen zu kriminalisieren, war ein Versuch der britischen Regierung den gesamten irischen Freiheitskampf nicht als politischen Krieg, sondern als Terrorismus zu verurteilen. Die Gefangenen kämpften so nicht nur für ihre Rechte, sondern auch für die Verteidigung der Legitimation des irischen antikolonialen Kampfes. Dem waren sich die Gefangenen bewusst.
Aufgrund der Brutalität der Wärter weigerten sich ab März 1978 mehrere Gefangenen ihre Zellen zu verlassen. Da sich in den Zellen keine Sanitäreinrichtungen befanden, leerten sie ihren Urin und ihre Exkremente aus dem Fenster oder aus den Türen. Nachdem die Gefängniswärter diese wieder zurück in die Zellen warfen, waren die Gefangenen gezwungen, ihre Exkremente an die Zellenwände zu schmieren, um zumindest die Matratzen und den Boden sauber zu halten.
Der Blanket- und der Schmutzprotest wurden nicht nur in Maze, sondern auch im Frauengefängnis Armagh durchgeführt. Für Frauen bedeutete der Schmutzprotest eine ungleich größere Qual.
In den Jahren 1979/80 verschlechterte sich die Situation in den Gefängnissen rasch. Nach Verhandlungen boten die Briten an, Gefangenenkleidung abzuschaffen. Stattdessen sollten die Republikanerinnen und Republikaner bunte, von den Briten ausgesuchte Gewänder erhalten. Die Gefangenen sahen darin den Austausch einer Uniform gegen eine andere.
Als Folge dessen und der Tatsache, dass der Blanket- und Dirty-Protest nun schon seit über 4 Jahren erfolglos blieb, wurde im Oktober 1980 beschlossen, einen republikanischen Hungerstreik zu beginnen. Der damalige Oberbefehlshaber der IRA in Maze, Darkie Hughes, wählte die Teilnehmer sorgfältig aus und trat mit sechs anderen in den Hungerstreik. Jeder sollte ein besetztes County repräsentieren, Hughes das Co. Antrim. Nach 53 Tagen fiel Sean McKenna ins Koma, er war nahe am verhungern, doch eine Einigung mit der neuen britischen Premierministerin Margret Thatcher war in Aussicht. Hughes erinnerte sich:
„Der Arzt zu dieser Zeit, Dr. Ross, erklärte mir, dass Sean nur noch wenige Stunden zu leben hatte. (...) Ich dachte wir hätten einen Durchbruch erzielt. Ich konnte nur mehr schwer gehen, so halfen mir zwei Priester. Bobby [Sands] war auch da, ich konnte nicht mehr lesen. Wir diskutieren das britische Dokument, danach sagte ich: ‚Füttert ihn!'"
Zusätzlich zu den 7 Männern im Hungerstreik waren am 1. Dezember auch die drei Frauen Mary Doyle, Mairead Farrell und Mairead Nugent in den Hungerstreik getreten.
Darkie Hughes musste im Krankenhaus bleiben. Davor hatte er sein Amt als Vertreter der republikanischen Gefangenen an Bobby Sands übergeben. Nachdem die Situation sich nicht verbesserte, leitete Sands die zweite Welle an Hungerstreiks ein.
Am 1. März wurde folgende Stellungnahme veröffentlicht:
„Wir, die republikanischen Kriegsgefangenen, in den H-Blocks von Long Kesh und unsere Genossinnen in Armagh, bringen hier nochmals zum Ausdruck, wie wir es seit dem 14. September 1976 – dem Beginn des Blanket-Protest – jeden Tag tun und getan haben, dass wir politischen Status fordern und unseren und unseren Kampf von der britischen Regierung nicht kriminalisieren lassen. Wir sind politische Gefangenen und jede unserer Taten beweist, dass wir politisch motiviert und nicht selbstsüchtig sind. Eine Anzahl von unseren Genossen wird, heute beginnend mit Bobby Sands, in den Hungerstreik bis zum Tod treten. Wir werden das solange fortsetzen, bis die britische Regierung mit ihrer Kriminalisierungspolitik aufhört und unsere Forderungen auf politischen Status umsetzt.“ |
| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 04. März 2010 um 11:38 Uhr |









Nachdem 1969 der Krieg in den sechs besetzten Counties in Irland begonnen hatte, kam es drei Jahre später zu ersten Verhandlungen über einen Waffenstillstand zwischen Republikanerinnen und Republikanern und der britischen Regierung. William Whitelaw, der britische Staatssekretär für Nordirland garantierte schließlich im Juli 1972 den Sonderstatus für alle politischen Gefangenen. Dies war eine Bedingung der Irischen Republikanischen Armee (IRA) für einen Waffenstillstand.








